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So heftig ist die fünfte Corona-Welle im Zeitvergleich

Vergleichen Sie die aktuellen Fallzahlen mit dem Höhepunkt der zweiten, dritten und vierten Welle – oder wählen Sie jeden beliebigen Zeitraum. Unser Tool zeigt, wie sich die Ansteckungen, Hospitalisierungen und Todesfälle entwickelt haben.

Yannick Wiget, Sebastian Broschinski, Oliver Zihlmann, Marc Brupbacher
Aktualisiert am 3. Dezember 2021

Jetzt ist es soweit: Die Corona-Pandemie hat in der Schweiz einen neuen Höhepunkt erreicht. Mittlerweile stecken sich im Schnitt 7926 Menschen pro Tag mit dem Virus an. Das sind mehr als auf dem Peak der schlimmen zweiten Welle im November letzten Jahres. Trotzdem gibt es weniger Hospitalisierungen. Das zeigt unser interaktives Tool, bei dem Sie jeden beliebigen Zeitraum vergleichen können:

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Höchstwerte der Fälle auswählen
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53531616-70%-70%2. Nov. 2020 – 2. Dez. 20212. Nov. 2020 – 2. Dez. 2021TodesfälleTodesfällei
347347237237-32%-32%2. Nov. 2020 – 2. Dez. 20212. Nov. 2020 – 2. Dez. 2021IntensivstationIntensivstationi
241241111111-54%-54%2. Nov. 2020 – 2. Dez. 20212. Nov. 2020 – 2. Dez. 2021SpitaleintritteSpitaleintrittei
8031803179267926-1%-1%2. Nov. 2020 – 2. Dez. 20212. Nov. 2020 – 2. Dez. 2021Bestätigte FälleBestätigte Fällei

Im Vergleich zum Höhepunkt der zweiten Welle am 2. November 2020 werden heute -1 Prozent weniger Fälle gemeldet. Gleichzeitig ist die Zahl der Spitaleintritte und Todesfälle aber tiefer. Denn eine Mehrheit der Erwachsenen in der Schweiz ist inzwischen geimpft, und die Impfung schützt effektiv vor schweren Covid-Verläufen, wie sich hier zeigt.

Auch beim Vergleich mit der dritten und vierten Welle, die ihren Peak am 12. April und 8. September 2021 hatten, offenbart sich der Impfeffekt. Aktuell müssen zwar mehr Infizierte hospitalisiert werden als damals. Wäre die Steigerung aber so hoch wie bei den Neuinfektionen, wären die Spitäler noch viel stärker belastet. Derzeit werden nur 1.4 Prozent der Erkrankten hospitalisiert und damit dreimal weniger als noch im April, als erst wenige geimpft waren.

Im Gegensatz zur zweiten Welle würden den Spitälern dieses Mal nicht die Hochbetagten Sorge bereiten, sondern die Jüngeren. Ersteren könne man meist schon in der Normalstation sehr gut helfen, weil sie fast alle geimpft seien, erklärt Huldrych Günthard, Leitender Arzt an der Infektiologie am Unispital Zürich. «Ältere Patienten müssen bei uns praktisch nicht mehr auf die Intensivstation. Daran sieht man, wie sehr die Impfung gegen die Überlastung der Spitäler hilft», sagt Günthard.

Doch die Erfolge bei den Älteren nützen in der nun fünften Welle wenig. Denn nun müssen zunehmend ungeimpfte Jüngere in die Covid-Stationen der Spitäler in der ganzen Schweiz eingeliefert werden. «Die aktuell hospitalisierten Patienten sind zwischen 35 und 65 Jahre alt», sagt Philipp Lutz, Sprecher des Kantonsspitals St. Gallen. Und er fügt an: «Die meisten sind nicht geimpft.» Ein ähnliches Bild herrscht am Berner Inselspital, wo die Patientinnen laut der Medienstelle mehrheitlich 40- bis 60-jährig sind und nicht immunisiert. An anderen Standorten gibt es gar ungeimpfte Patienten unter 35.

«Anders als die geimpften Betagten kommen die jungen Ungeimpften oft so spät, dass wir ihnen auf der Normalstation nicht mehr helfen können», sagt Günthard. «Viele müssen sogar direkt aus der Notfallstation in die Intensivstation.»

Und die Befürchtung ist, dass ihre Zahl in den kommenden Wochen weiter steigen wird. Denn bis jetzt war es immer so, dass sich die Lage in den Spitälern erst mit einer gewissen Verzögerung zuspitzte. Das sieht man gut bei der Entwicklung der zweiten Welle: Als die Kurve der Ansteckungen schon wieder abflachte, blieben die Hospitalisierungen noch länger hoch, und die Belegung der Intensivstationen und die Zahl der Todesfälle stiegen sogar noch.

«Die Dynamik ist unaufhaltsam.»

Huldrych Günthard, Infektiologe am Unispital Zürich

Was droht also der Schweiz, wenn sich die aktuelle Entwicklung fortsetzt? «Vielleicht reduziert sich das Verhältnis zwischen Neuinfektionen und Hospitalisierungen etwas. Aber die Hospitalisationen werden sicher ähnlich ansteigen wie vor einem Jahr», sagt Christian Althaus, Epidemiologe der Universität Bern. Auch die wissenschaftliche Taskforce des Bundes warnt davor, dass die Belastung in den nächsten Wochen weiter steigen wird.

Althaus glaubt, dass der Trend solange anhalten wird, bis die Leute entweder von sich aus vorsichtiger werden und ihre Kontakte reduzieren oder neue Massnahmen eingeführt werden. Einige Kantone haben bereits Verschärfungen beschlossen, etwa eine Ausweitung der Maskenpflicht. Der Bundesrat hat lange gezögert und will jetzt wieder handeln. Aber kommt das nicht zu spät? Infektiologe Günthard rechnet jedenfalls mit einer massiven Spitalbelastung spätestens in der zweiten Dezemberwoche: «Die Dynamik ist unaufhaltsam, obwohl wir mit der Impfung ein Mittel gehabt hätten, das weitgehend aufzuhalten. Das ist einfach ernüchternd.»